Kandinsky grüßte aus Bremen

Wanderausstellung: Sammlung Klassische Moderne des Kaiser-Wilhelm-Museums Krefeld

Wassily Kandinskys Gemälde „Sintflut I“ aus dem Jahr 1912 ziert den Deckel des Katalogbuchs über die Wanderausstellung „Farbwelten“ des Kaiser-Wilhelm-Museums Krefeld.   Foto: KWM

Wassily Kandinskys Gemälde „Sintflut I“ aus dem Jahr 1912 ziert den Deckel des Katalogbuchs über die Wanderausstellung „Farbwelten“ des Kaiser-Wilhelm-Museums Krefeld. Foto: KWM


„Trauertage des Museum“ nennt Paul Wember in seiner Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Museums (KWM) jene Tage im Jahr 1952, als sein Versuch scheiterte, den Nachholbedarf des Museums an Bildern des Expressionismus mit einem Schlag zu decken. Eine geschlossene Sammlung stand damals für 160 000 Mark zum Kauf. 20 Werke des Expressionismus von Franz Marc, August Macke, Klee, Feininger, Kandinsky, Kokoschka und Max Beckmann. Eine Sonderkommission hatte die Vorbereitungen koordiniert, und Wember lässt durchblicken, dass die
Akquirierung des Konvoluts für ihn kein Kinderspiel war. Die entscheidende Ratsitzung beriet nur über den Tagesordnungspunkt „Ankauf“ und – lehnte ihn gegen die Stimmen der kleinen Parteien schließlich ab. „Schulen sind wichtiger als Kunst“ titelte polarisierend eine Lokalzeitung. Einzig Wassily Kandinskys Komposition „Sintflut“ I, gemalt im Jahr 1912, bekam das Placet. Das 100 x 105 Zentimeter große Bild stammte aus der Sammlung von Gabriele Münter. Sein Preis: 15 000 Mark, die in Raten aus normalen Mitteln abgestottert wurden. 20 Jahre später vermerkt Paul Wember lakonisch, dass das Bild mit einer Million Mark zu Buche stehe, heute wiederum würde es auf dem Kunstmarkt ein Vielfaches davon erlösen.
Ein „paradigmatisches Bild“ nennt es Rainer Stamm, der Direktor des Paula-Modersohn-Becker-Museums Bremen. Es sei offen in die Abstraktion bis hin zu Mondrian, so der Ideengeber und Organisator der Wanderausstellung „Farbwelten. Von Monet bis Yves Klein. Werke der Klassischen Moderne aus den Kunstmuseen Krefeld“. Stamm besuchte die Krefelder Kunstmuseen im Zuge seiner kunsthistorischen Recherchen zur frühen Moderne wiederholt und lernte die Spitzenwerke der Sammlung kennen. Als er dann einer Zeitungsnotiz entnahm, dass das KWM wegen Renovierung geschlossen werde, kam ihm die Idee: „Ich wollte diese großartige Sammlung sichtbar machen!“ In der Umbauphase sollten die Kunstwerke nicht ins Depot abtauchen sondern auf Wanderschaft gehen. Ähnlich wie ein Projekt, das 2005, während der Bauarbeiten am Osthaus-Museum Hagen Weltkunst aus dessen Sammlung auf eine Ausstellungstournee durch deutsche Museen schickte, werden die Krefelder Kunstschätze nun länger als ein Jahr auf Reisen sein. Von ihren Stationen in Erfurt (7. Februar bis 2. Mai), Würzburg (29. Mai bis 1. August), Cottbus (15. August bis 24. Oktober, und Freiburg 5. November bis 30. Januar 2011) werden wir berichten. Übrigens zählte das Paula-Modersohn-Becker-Museum über 10 000 Besucher.

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