Ein Käfig voller Narren

 

Stefan Herheims „Xerxes“ an der Deutschen Oper am Rhein, Düsseldorf

Blöd an der Inszenierung der Händel-Oper „Xerxes“ von Stefan Herheim an der Deutschen Oper am Rhein ist einzig und allein der Zeitpunkt: Karneval, und die fidelen Rheinländer treiben gerade dem Karnevalshöhepunkt entgegen. Düsseldorf und Köln sind fest in schwuler Hand, und da geht  dieser von Stefan Herheim und seiner Bühnenbildnerin Heike Scheele  auf die Bühne gezauberte Käfig voller Narren ab wie anno dazu mal die Feste in der Schwulendisco „Pimpernell“.

Szenenbild aus „Xerxes“

Soviel Exaltiertheit und augenzwinkernder Klamauk könnten von der Ernsthafigkeit des ganzen Unternehmens ablenken. Übertriebene Gesten – wie sie wohl zur Entstehungszeit dieser Barockoper üblich waren – und tuntiges Gehabe sind freilich nur ein, zugegeben recht ansehnlicher und ironisch-frecher, Bruchteil dieser Inszenierung, die überwiegendvon ihrer außerordentlichen musikalischen Quailität lebt. Stimmlich wurde diese Inszenierung der (koproduzierenden) Komischen Oper Berlin völlig neu aufgestellt: Mit den wunderbaren Countertenor- Stimmen Valer Barna-Sabadus’ (Xerxes) und Terry Weys (Arsamenes) sowie Katarina Bradic’(Amastris), die krankheitsbedingt nicht voll aufdrehen konnte, Torben Jürgens (Ariodates), Heidi Elisabeth Meier (Romilda), Anke Krabbe (Atalanta) und Hagen Matzelt (Elviro). Gut gelaunt und von bewunderswerter Präzision die Neue Düsseldorfer Hofmusik.

In der Zeit, in der Händel seinen „Xerxes“ komponierte, zeigten sich auf Schritt und Tritt Aufweichungen der starren höfischen Gesellschaft, und dem deutschen Komponiosten in London war klar, dass auch die italienisch geprägte Barock-Oper ausgedient hatte. Das verwöhnte Publikum  an der Themse-Metropole gierte nach neuen Formen. Händel nutzte im „Xerxes“ zwar noch die barocke Opernsprache, stellte sie aber zugleich auf den Prüfstand, ja überreizte sie.

Die sich ankündigende Zeitenwende zeigt Herheims Regie als ein verwirrendes Theater-auf-dem-Theater-Spiel. So blickt man zeitweise in eine historische Hinterbühne, die sich als wackelige Kulisse entpuppt. Und dahinter erkennt man wiederum die reale Hinterbühne der Rheinoper.

Herheim liebt die Dekonstruktion und geht mit diesem Regie-Werkzeug derzeit so feinchirurgisch um wie kein anderer. Indem er die Struktur „auftrennt“, abfieselt bis aufs Skelett,  legt er die komplexen Durchdringungen und Gegenbewegungen von Text/Libretto und Musikdramatik frei.

(Aufführungen: 3., 6., 13., 15., u. 17. Februar)

Infos unter: http://www.operamrhein.de/de_DE/events/repertoire/865275/opera

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.