„Im Museum funktioniert das nicht!“

Felix Droese über seinen Lehrer Joseph Beuys, der vor 25 Jahren starb

Filz, Fett, magische Rituale, da fragten sich immer noch viele, ob das Kunst sei, so leitete der Moderator von Deutschlandradio Kultur ein Gespräch mit Felix Droese zum 25. Todestag von Joseph Beuys (23. Januar 1986) ein. Der angesehene Künstler aus dem Rheinland war Anfang der 1970er Jahre Beuys‘ Schüler an der Kunstakademie Düsseldorf. Ob Beuys denn auch ein richtiger Lehrer gewesen sei, wollte der Frager wissen. „Unbedingt“, so Droeses Antwort. Denn Beuys sei ja optimistisch gewesen, sonst hätte er es sich nicht so schwer gemacht. „Er war an den Studenten interessiert“, erinnert Droese an Beuys eigene Studentenzeit direkt nach dem zweiten Weltkrieg bei Ewald Mataré an der Kunstakademie Düsseldorf. Er habe sich schon damals für seine Kommilitonen eingesetzt.
Die nächste Fragen: „Wie hat Beuys auf den Zeitgeist der 1970er Jahre reagiert, der alle Lebensbereiche politisierte? Sah er auch die Kunst politisch?
Droese: „1976, in der Ausstellung des Kunstvereins Frankfurt, hat Beuys zu erkennen gegeben, dass jeder Mensch ein Künstler ist, aber nicht jeder ein Berufskünstler. Er meinte das bezogen auf das anthropologische Feld, ganz im Sinne der naturwissenschaftlichen Auffassung Goethes, dass der Mensch selbst der größte und genaueste physikalische Apparat sei, der sich und seine Umwelt erkennen kann. In diese Richtung weisen auch Beuys’ Experimente. Etwa die Gründung einer eigenen politischen Partei 1967, die er freilich gleich relativiert mit seiner Aussage ‚die meisten Mitglieder sind Tiere’. Droese interpretiert den Satz als einen Hinweis auf die Emotionen, von denen der Mensch geleitet wird. Es sei viel Unerwartete geschehen, das Beuys erahnt habe., „In der Kunst bleibt vieles im Vagen“, so Droese.
Lebt seine Kunst ohne Beuys weiter?
„Nein“, sagt Droese. Er sei auf dem Höhepunkt der Aktion „7000 Eichen“ gestorben, die er eben gerade nicht im Museum konzipierte sondern im öffentlichen Raum. Droese erinnert hier daran, dass Beuys sich ein Jahrzehnt lang geweigert hatte, im großen Ausstellungszirkus mitzumachen.
Die großen Beuys-Ausstellungen führten ein ums andere Mal vor Augen, dass Beuys selbst seine Musealisierung so nicht gemeint habe. „Der wissenschaftliche Apparat, den Beuys zeitlebens angegriffen hat, schlägt jetzt zurück“, ist Droese überzeugt. Zentrale Begriffe in Beuys künstlerischer Arbeit seien der Mensch und seine Intuition gewesen, nicht seine Überbildung. Wenn man heutzutage Ausstellungsbesucher beobachte, stünden sie oft mit dem kunstwissenschaftlichen Knopf im Ohr starr vor einem Kunstwerk. „Beuys ließ den Betrachter etwa mit einem Filzstapel allein. Entweder konnte er für sich einen Zugang finden oder er musste einsehen, dass er keinen Bezug hatte. „Wir sind seit 200 Jahren in diesem Apparat gefangen, den Beuys sprengen wollte. Deshalb wählte er auch Materialien wie Fett und Filz, die nicht in die Salons der Reichen und Schönen passten.“

Bild: Felix Droese, fotografiert von Irmel Droese 2015

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