Zeit los

Fronleichnam. Wie die Bilder sich gleichen. Auf einem Foto, das vier Jahre alt ist , ziehen ähnliche Wolken dahin wie heute. Tiefblau der Himmel, den ich gerade von meinem Schreibtisch aus beobachte. Die spitzen Schreie der Mauersegler höre ich mehr, als dass ich ihre dunklen Körperchen vorbeischießen sehe. So weit oben sind sie, dass ihr Flügelschlagen in der hohen Luft vergeht. Keine Kirchenlieder vernommen, der Wind trug sie wohl davon . . .

Das innere Kind hat den Duft der Pfingstrosenblätter in der Nase, die wohldosiert verstreut wurden auf dem langen Weg, den die Prozession durchs Dorf nahm. Er mischt sich mit dem von Lindenblüten, Kerzenwachs und Weihrauch. Weil das kleine Mädchen sein schönstes Kleidchen trug mit neuen Seidenschleifen an den Zöpfen, und so viele Menschen auf den Beinen waren, und die Musikkapelle marschierend die Messe mit dem Lieblingslied „Mein Heiland, Herr und Meister“ intonierte, war ihm feierlich zumute, ohne zu wissen, warum. Glücklich war es, als die weißen Lackschuhe samt Strümpfen wieder ausgezogen waren und es den sonnenwarmen Boden unter den Fußsohlen spürend, durch die hohen Gräser der Sommerwiese streifte.

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