Billige Bücher in der Stunde Null

ro ro ro – untereinander gescrieben, kaum auszumachen auf dem farbigen Titel, so waren sie die Rowohlt- Taschenbücher der 1950er Jahre. Gedruckt auf säurehaltigem billigen Papier aber mit einem dünnen Leinenrücken versehen, der sich farblich vom Titelbild absetzte.

Von allen Leserbriefen, die Kurt Tucholsky je erhielt, soll er den eines Oberrealschülers aus Nürnberg am meisten gemocht haben. Artig hatte der junge Mann dem lieben Herrn Tucholsky erst seine Reverenz erwiesen, um dann umgehend den raschen Tod des Verehrten herbeizuwünschen: „Damit Ihre Bücher billiger werden, so wie Goethe zum Beispiel.“ Dem Pennäler konnte einstweilen nicht geholfen werden, aber immerhin gab das kuriose Schreiben dem sprachmächtigen Spötter Anlass für ein Avis an seinen Verleger, „dem lieben Meister Rowohlt“, das in der Forderung gipfelte: „Macht unsere Bücher billiger!“ Erst posthum, elf Jahre nach dem Freitod Tucholskys im schwedischen Exil im Dezember 1946, entsprach der Verlag dem Wunsch seines großen Autors. Umgerechnet 25 Cent kostete der Einzelband, und so machten die Deutschen Bekanntschaft mit Werken, die ihnen in zwölf Jahren nationalsozialistischer Herrschaft vorenthalten worden warenrororo-kleiner-mann

Am 17. Juni 1950 erschienen in der ungewöhnlich hohen Startauflage von 50.000 Exemplaren die ersten vier rororo-Taschenbücher: Falladas „Kleiner Mann, was nun?“, Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“, Kurt Tucholskys „Schloss Gripsholm“ und „Am Abgrund des Lebens“ von Graham Greene.

 

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