Denkbild 7

 

So hell und mild ist dieser Tag. Das Licht schon matt, angefressen wie die Flügel des Tagpfauenauges, das ich auf den Steinfliesen im dunklen Flur fand. Ohne zu zögern kroch es in meine hohle Hand und saß da so nah und fremd und wunderschön, dass ich kaum zu atmen wagte. Es ließ sich tragen zum Licht, stellte kurz seine Flügel auf und ließ sie wieder sinken. Dabei entstand ein Geräusch wie raschelnde Seide. Die Tür war kaum offen, flog es hoch, machte zwei müde Flügelschläge noch und ließ sich dann in die dunklen Büsche sinken. Die Stare in der höchsten Pappel zwitschern verhalten zwischen den Lichtströmen und den an- und abschwellenden Winden. Der Sommer kann sich nicht losreißen, scheint’s: 19. Oktober, ein geschenkter Sommertag mitten im Herbst.

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